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Was man von hier aus sehen kann

Was man von hier aus sehen kann Mariana Leky
Was man von hier aus sehen kann

5 / 5 ⭐⭐⭐⭐⭐

Handlung: 

Louises Oma, Selma, kann den Tod voraussehen. Träumt sie von einem Okapi, so stirbt im Laufe der nächsten 24 Stunden ein Dorfbewohner. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht in dem kleinen Westerwälder Dörfchen, wann immer das Okapi in Selmas Traum erschienen ist. Weil keiner weiß, wen es treffen wird, werden die Menschen auf einmal ganz übervorsichtig und abergläubisch.  Mariana Leky erzählt davon, was die Leute in diesen Stunden fürchten, gestehen oder blindlings wagen. Denn alles in dem Dörfchen hängt miteinander zusammen, weil jeder jeden kennt. Nur Frederik und Louise können nicht zusammen sein, denn der Mann, den Louise liebt, ist zum Buddhismus konvertiert und lebt in einem Kloster in Japan.. 

In Was man von hier aus sehen kann geht es um die Liebe, das große Warten im Leben, um zweifelndes Zögern, das aus Weisheit oder Respekt erwächst – und den Tod.

Figuren: 

Verfasst ist das Buch aus Sicht von Louise. Sie ist in dem Dorf aufgewachsen, authentisch und auf sympathische Weise naiv. Nur selten ergreift sie die Initiative, alles widerfährt ihr irgendwie. Genau wie die Ausbildung zur Buchhändlerin, für die sich sich nicht wirklich aktiv entschieden hat.

Ihr Vater sagt, sie solle mehr Welt zu sich rein lassen. Ihm ist das Dorf zu klein und unaufgeregt, deshalb geht er auf Weltreise und lässt seinen neu angeschafften Hund bei Louise und ihrer Großmutter Selma zurück.

Selma dagegen ist immer für Louise da. Ein herzliche, ältere Frau mit geblümten Nachthemden, in denen sie hin und wieder von einem Unheil bringenden Okapi träumt. 

Dann gibt es da noch den Optiker, der nicht nur für seinen Beruf bekannt ist sondern auch für seine Fähigkeit, Verbindungen herstellen zu können zwischen Dingen, die scheinbar überhaupt nichts miteinander zu tun haben. So wie „Kaffeekannen und Schnürsenkeln“. Nur die Verbindung zu Selma hält er auf Abstand. Die Stimmen in seinem Kopf flüstern ihm zu, seine Liebe zu Selma geheim zu halten.

Die Nachbarin Marlies hält am liebsten das ganze Dorf auf Abstand. Sie ist immer traurig, immer schlecht gelaunt und will die Welt nicht zu sich reinlassen. Genau genommen will sie niemanden zu sich reinlassen. Deshalb kauft sie 5 Schlösser für ihr Haus, das sie kaum verlässt. Höchsten, um sich bei irgendwem über irgendwas zu beschweren. 

Alle Personen in Was man von hier aus sehen kann fallen auf ihre Art aus der Norm. Die Menschen in diesem unspektakulären Dorf haben unspektakuläre und doch irgendwie besondere Lebensläufe. Und sie hören einander wirklich zu. 

Wenn ihr mögt, könnt ihr hier gerne einmal in das Buch reinhören. 

Rezension:

Zusammengefasst klingt die Geschichte so banal, doch ich denke kein Klappentext könnte diesem Buch gerecht werden. Die ganze Genialität dieser grandiosen Schriftstellerin lässt sich nicht in wenigen Zeilen komprimieren. Das Buch hat Charme, ist warm, aber nicht kitschig, es ist ungewöhnlich und fantasievoll und irgendwie auch schräg. 

Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und war richtig traurig, als es dann zu Ende war. Ich wollte mich noch nicht verabschieden von Louise, Selma und dem Optiker. Die Charaktere sind so eigen und besonders und während des Lesens habe ich sie ins Herz geschlossen. Auch der Autorin merkt man die Liebe zu den Figuren an. Mariana Leky lässt ihre Leser*innen eintauchen in die magisch-realistische Welt des kleinen deutschen Dörfchens mit seinen liebevoll miteinander verbundenen Bewohnern. Von Beginn an ist man Teil der Dorffamilien und des Mikrokosmos, den die talentierte Autorin geschaffen hat. 

Kreative Sprachbilder und Wortwitze und jede Menge gelungene Metaphern ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Die Autorin spielt mit «Aufhockern», die einem frech im Nacken sitzen und die Gedanken kreisen lassen und mit «Verstockungen», die einen davon abhalten, genau das zu tun, was man eigentlich gerne täte. 

Die Sprache nimmt die Leser mit, berührt und plaudert von Alltäglichem, ohne dabei alltäglich zu sein. Die gleichzeitig begrenzte und allwissende Perspektive der Erzählerin sowie die eigenwilligen poetischen Vergleiche machen den Roman zu etwas ganz Besonderem. „Was man von hier aus sehen kann“ ist traurig und lustig zugleich. Und es steckt voll von Weisheit, Menschenkenntnis, Empathie und Humor. Ich kann euch Was man von hier aus sehen kann nur wärmstens ans Herz legen.

„Keiner ist alleine, solange er noch wir sagen kann“.
  • Gattung: Roman
  • Autor: Mariana Leky
  • Verlag: DuMont Buchverlag
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Seitenzahl: 320
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