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Mauerblümchen – Holly-Jane Rahlens

Mauerblümchen
Mauerblümchen

5/5 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Handlung: 

Berlin, November 1989, kurz nach dem Mauerfall. Die 16-jährige Amerikanerin Molly, Typ Mauerblümchen, begibt sich auf die Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte und möchte nach Ost-Berlin zum Geburtshaus ihrer inzwischen verstorbenen Mutter fahren. In der S-Bahn von West- nach Ostberlin lernt sie Mick kennen und verliebt sich in ihn. Er begleitet sie auf ihrem Weg, der von Richtungswechseln und Zufällen geprägt ist.

Figuren: 
„Die Mauer ist offen. Und ich bin zu. Das war schon immer so. Nicht die Mauer, natürlich, die ist erst seit zwei Wochen offen. Sondern ich. Ich war schon immer zu, habe mich hinter einer Wand versteckt, mich dort eingenistet und werde da auch nicht mehr rauskommen.“

Mit diesen Zeilen beginnt das Buch”Mauerblümchen”, indem sich die  Protagonistin als Molly Lenzfeld vorstellt. Aufgrund der Arbeit ihres Vaters wohnt die New Yorkerin in der ehemaligen Heimatstadt ihrer verstorbenen Mutter, in Berlin. Sie fühlt sich unwohl, ist schüchtern und zurückgezogen und versucht, möglichst nicht aufzufallen, was bei ihrer Größe von 1,86 mit Schuhgrüße 44 allerdings nicht ganz einfach scheint. 

Sie entschließt sich dazu, nach Amerika zurückzukehren, möchte aber vorher eine „Mission“ erfüllen: Sie möchte von der Mauer im Hof des Geburtshauses ihrer jüdischen Mutter einen Stein abmeißeln und auf ihr Grab legen – ganz nach jüdischer Tradition. Molly begibt sich auf die Fahrt von West- nach Ostberlin und lernt dabei den Ostberliner Mick „wie Jagger“ kennen. Er ist noch größer als Molly, Schauspielstudent, selbstironisch und aufgeschlossen. Als er zusteigt flirtet er zuerst mit einer Bekannten von Molly, die sie blöderweise auch noch überhaupt nicht leiden kann. Dann aber fällt ihm Molly auf und er begleitet sie auf ihrem Weg. Eine Liebesgeschichte nimmt ihren Anfang. 

Rezension:

Meine erste Befürchtung vor dem Lesen war: das wird bestimmt schnulzig. Diese Befürchtung hat sich aber ganz und gar nicht bestätigt und ich wurde sehr positiv überrascht. Rahlens schafft es, die Geschichte einer Liebe auf den ersten Blick zu erzählen, ganz ohne dabei gefühlsduselig zu werden. Sie erzählt von Heimatlosigkeit und Wendepunkten im Leben. Sie fängt Stimmungen ein und macht sie für die Leser nachfühlbar. Leser lernen über die Deutsche Geschichte um die Zeit des Mauerfalls, als die Grenzen zwar offen waren, aber Deutschland noch nicht ein Land. Die Atmosphäre dieser Zeit wird wie beim Lesen deutlich empfindbar, unter anderem, weil die Autorin den Blick auf Details legt.

Auch wenn sich die Geschichte ausschließlich in den Bahnhöfen und Zügen der Berliner S- und U-Bahn abspielt, wurde mir nie langweilig. Immer wieder bekam die Geschichte eine andere Richtung als erwartet. Wie ein roter Faden begleiten den Leser Gegensätze durch das gesamte Buch. Molly und Mick, Schüchternheit und Aufgeschlossenheit, West und Ost, Bewegung und Stillstand. 

Aus dem Buch nehme ich mit, wie wichtig es ist, persönliche Schutzmauern fallen zu lassen, sich anderen Menschen und sich selbst zu öffnen und dafür aus der eigenen Comfort Zone zu bewegen. Auch dass der Weg das eigentliche Ziel ist, wurde mir zurück ins Bewusstsein gerufen.Insgesamt ist „Mauerblümchen“ ein sehr guter Jugendroman, das man auch noch gut lesen kann, wenn man längst aus dem Jugendalter raus ist. 

  • Gattung: Jugendroman
  • Autor: Holly-Jane Rahlens
  • Verlag: Rowohlt Verlag
  • Erscheinungsjahr: 2009
  • Seitenzahl: 156
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1 Comment

  1. Vielen Dank für die tolle Rezension; es macht richtig neugierig auf das Buch und so wie es aussieht, werde ich es bestellen. 😊

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