/

Kaffee und Zigaretten

Kaffee und Zigaretten
Kaffee und Zigaretten

3/5 ⭐️⭐️⭐️

Handlung:

Ferdinand von Schirachs Kaffee und Zigaretten ist eine Sammlung aus autobiografischen Erzählungen, Anekdoten und Beobachtungen, die nicht miteinander zusammenhängen. Festgehalten sind in 48 kurzen Kapiteln unter anderem Gespräche mit interessanten Mensch, die Außergewöhnliches erlebt haben, kurze Glücksmomente, die der Autor eingefangen und verschriftlicht hat und merkwürdige Rechtsfälle. Die Themen sind bunt gefächert, jedoch haben sie alle einen Hauch von Melancholie gemeinsam, der mitschwingt. Es geht um Sehnsüchte, Reflexionen und ethische Fragen, kurz: um die Natur des Menschen, im Guten wie im Bösen. Vom Autor selbst erfahren in der eigenen Familiengeschichte, gibt Schirach teils sehr private Einblicken in seine eigene Lebensgeschichte. 

Rezension:

Alle der 48 Kapitel sind ein paar Zeilen bis maximal acht Seiten lang, manche grad lang genug für eine Zigarette nebenbei. Darum empfinde ich das Buch als nicht dazu geeignet, um es in einem Schwung durchzulesen. Vielmehr macht es Sinn, immer mal wieder zwischendurch ein Kapitel zu lesen, um danach darüber nachsinnen zu können. Manche der Anekdoten haben mich wirklich nachdenklich gestimmt und werden mir im Gedächtnis bleiben, andere werden aus meiner Erinnerung verfliegen wie der Rauch einer Zigarette im Wind. 

Schwierig finde ich, dass man aufgrund der Kürze nicht richtig in die einzelnen Kapitel eintauchen kann. Gerne hätte ich zu manchen Schicksalen mehr erfahren, wobei sich natürlich argumentieren lässt, dass es im wahren Leben nicht anders ist: Man begegnet Mensch und weiß nicht bei allen, wie ihre Geschichten weitergehen. Trotzdem hat es bei dem Buch dafür gesorgt, dass ich weniger gefesselt war, weil zwischen den einzelnen Geschichten kein klarer roter Faden erkennbar war und der Leser von einem Szenario in ein nächstes, ganz anderes Setting geworfen wird. Teilweise kam es mir sogar so vor, als würde ich in den Notizen des Autors für ein Buch lesen, das noch in der Entstehungsphase ist. 

Schirachs Schreibstil ist erschreckend kühl und trocken. Wie es für ihn typisch ist, beschränkt er sich auf das Wesentliche und schreibt in simplen parataktischen Sätze, was seine Werke durchaus besonders macht. Trotz des Verzichts auf Ausschmückungen und Rhetorik haben manche der Kurztext Emotionen bei mir ausgelöst und es kommt stimmungsmäßig Einiges beim Leser an. Erschütternd nüchtern schildert der Autor absurde, aber wahre Begebenheiten, das literarische Werk gleicht mehr einem Bericht als Erzählungen. 

Mein Fazit: Manche Geschichten waren zu kurz und wenig aussagekräftig, während wiederum andere zum Nachdenken angeregt haben und wirklich spannende Fragen aufgeworfen haben. Der Autor ist merklich weltgewandt und lässt den Leser Dinge mit anderen Augen sehen und reflektieren, was in uns allen steckt. Für zwischendurch ist Kaffee und Zigaretten ein gutes Buch, aber nicht, um darin zu versinken. Deshalb würde ich das Buch nur bedingt weiterempfehlen.

 
“Fast immer scheitern Remakes, die Dinge, dir wir lieben, lassen sich nicht wiederholen.”
  • Gattung: Gegenwartsliteratur
  • Autor: Ferdinand von Schirach
  • Verlag: btb Verlag
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • Seitenzahl: 192
 
* Wenn ihr euch das Buch bei Thalia kaufen möchtet, könnt ihr das gerne über den Banner hier unten tun. Von Thalia erhalte ich dafür einen kleinen Anteil, für euch entstehen aber natürlich keine zusätzlichen Kosten. 

Leave a Reply

Your email address will not be published.