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Erfrorene Seele – Berit Sellmann

Erfrorene Seele

4/5 Sterne ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ 

* Rezensionsexemplar/ unbezahlte Werbung

 

Handlung: 

Wiebke vermisst ihre Mutter seit sie acht ist. Von einer Reise in ihr Heimatland Grönland kehrte sie nicht zu ihrer Tochter und ihrem Mann zurück. Warum weiß Wiebke nicht. Und auch ihr Vater redet nicht mit ihr darüber. Er trinkt um zu vergessen. Als Wiebke eines Tages ein altes Tagebuch ihrer Mutter in der Schreibtischschublade ihrer Vaters findet, fasst sie einen Entschluss: Sie will es endlich herausfinden und sich dazu in Grönland auf die Suche nach ihrer Mutter machen.

Die Protagonistin: 

Wiebke ist verträumt, sensibel und oft unsicher, wie sie sich verhalten soll. Weil sie sehr unter dem Verschwinden ihrer Mutter und der Alkoholabhängigkeit ihres Vaters leidet, nimmt sie schließlich allen Mut und all ihr Erspartes zusammen, um alleine nach Grönland aufzubrechen. Sie setzt alles daran ihre Mutter wiederzufinden und die Rätsel der Vergangenheit zu lösen. Warum ist ihre Mutter nicht von der Grönlandreise zu ihr zurückgekehrt? Das ist nur eine der vielen Fragen, auf die Wiebke Antworten sucht. Die Suche nach der Wahrheit über ihre Eltern ist letztendlich gleichzeitig auch eine Sucher nach der eigenen Identität. 

Rezension: 

„Erfrorene Seele” ist ein außergewöhnliches Buch und alles andere als Mainstream. Das bedeutet aber auch bedeutet, dass man sich erstmal an den Schreibstil gewöhnen muss. Es ist kein Buch für zwischendurch, man muss sich Zeit dafür nehmen und sich darauf einlassen. Wenn man einmal in das Buch gefunden hat, erlebt man von zuhause aus eine Reise in Grönlands eisige Welten – und dabei auch in die Gefühlswelten der Protagonistin. Beides ist eng miteinander verknüpft, unter anderm durch zahlreiche Metaphern, durch die die Kälte beider Welten auf den Leser überspringt. Die Atmosphäre ist so eisig, dass mir beim Lesen sogar im Sommer kalt wurde. Man kommt nicht umhin zu bemerken, dass die Autorin selbst schon einmal Grönland bereist hat. Sonst hätte sie die Landschaften kaum so lebhaft und realistisch rüberbringen können, dass man sich fühlt, als wäre man selbst schon dort gewesen. 

Berit Sellmann geht unglaublich geschickt mit Worten um, spielt mit ihnen und ihrer Wirkung und das macht “Erfrorene Seele” so literarisch wertvoll. Es passiert so wenig und doch so viel. Gefühlsmäßig passiert die Welt. Sellmanns bildliche Sprache und ihre Sprachgewalt sind beeindruckend. Sie transportieren eine melancholische Stimmung und Wiebkes Sehnsucht, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch ziehen. 

Ihre Verwirrung, ihrer Ungeduld und ihre Verunsicherung werden bim Lesen spürbar und man rätselt automatisch mit ihr mit. Wem kann sie vertrauen? Wer spricht die Wahrheit? Dabei stößt man immer wieder auf Überraschungsmomente und schockierende Erkenntnisse, die der Geschichte eine neue Wendung geben und Spannung in die Geschichte bringen. Dadurch wurde mir noch einmal mehr bewusst, wie viel Schmerz und Enttäuschung dadurch verursacht werden kann, wenn jemand in einer Lüge lebt. 

Zu 100% hat mich “Erfrorene Seele” jedoch nicht begeistert. Vor allem weil es sich zwischenzeitlich etwas in die Länge zog. Alles in allem handelt es meiner Meinung nach dennoch auf jeden Fall um ein lesenswertes, tiefgründiges Buch. Aufgrund des atemberaubenden Schreibstils vergebe ich daher insgesamt 4 von 5 Sternen. 

“Wie blöd zu glauben, Dinge seien weg, nur weil man sie nicht 
sehen kann.”
  • Gattung: Noir Mystery Thriller 
  • Autorin: Berit Sellmann
  • Verlag: SadWolf Verlag
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • Seiten: 350 
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