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Elefant – Martin Suter

Martin Suter - Elefant
Elefant

5/5 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Handlung: 

Es ist klein, verletzlich und leuchtet rosa-rot. Das kleine Elefantenbaby Sabu, das eines Tages in der Schlafhöhle des Obdachlosen Schoch auftaucht. Als er aus trunkenem Schlaf erwacht, ist das Rüsseltierchen plötzlich da. Er fragt sich, ob der Alkohol ihn fantasieren lässt. Hat er zu viel getrunken und geht sein Verstand den Fluss herab, an dem er haust? Nein, das fluoreszierende Mini-Geschöpf ist echt. Es ist das Ergebnis eines Genforschungsexperiments von Roux, einem Gentechniker, der den Kleinen als Haustier für Kinder an reiche Eltern verkaufen und viel Geld daran verdienen möchte. Als Roux erfährt, dass der circa dreißig Zentimeter kleine Elefant verschwunden ist, begibt sich auf die Jagd nach ihm. Jedoch ist Schoch nicht der Einzige, der verhindern will, dass der Forscher den kleinen Vierbeiner wiederfindet, der ihm so schnell ans Herz gewachsen ist. 

Figuren: 

Der Schweizer Erfolgsautor unterteilt die Charaktere des Romans strikt in gut und böse, es gibt kein Dazwischen. Auf der dunklen Seite steht der skrupellose und selbstsüchtige Gentechniker Roux, dem das Wohl der Tiere egal ist. Er möchte ein Patent auf rosa fluoreszierende Mini-Elefanten und möchte seinem Rivalen um jeden Preis zuvorkommen. Ob der Elefant darunter leiden, interessiert ihn nicht. Er denkt bei seinen Experimenten und Genforschungsprojekten nur an Prestige, Ansehen und das Geld, das er daraus gewinnen will. Unterstützt wird er von einem chinesischen Konzern, der großes Interesse an seinen Forschungen bekundet. 

Während manche in dem Wesen nur eine ruhmbringende Geldquelle sehen, erkennen andere den wahren Wert, so der Obdachlose Schoch. Nachdem er wegen einer gescheiterten Ehe auf der Straße gelandet und dem Alkohol verfallen ist, hat er wieder eine Aufgabe, die ihn auf Trapp hält: Sich um den vierbeinigen Kameraden zu kümmern, der auf Umwegen zu ihm gelangt ist. 

Auch Kaung dem burmesischer Elefantenflüsterer, der bei der Geburt des Baby-Elefanten dabei war,  liegt nichts mehr am Herzen, als dass es den Elefanten im Zirkus  gut geht. Genau wie Schoch erkennt er, dass Sabu besonders und schutzbedürftig ist.

Die ehrenamtliche Straßen-Tierärztin Valerie Sommer unterstützt so gut sie kann dabei, Sabu aufzupäppeln.   

 
Rezension: 

Mit ethischen Fragen regt dieser Bestseller zum intensiven Nachdenken an. Wie weit sollten die Menschen mit der Gentechnik gehen? Gibt es eine Grenze und wenn ja, wo ist sie erreicht? Dieser sehr aktuelle gesellschaftliche Diskurs wird aufgegriffen und in eine unterhaltsame Geschichte verpackt. Außerdem sehr zeitgemäß: das Thema Obdachlosigkeit. Suter macht noch einmal aufmerksam auf die weiter werdende Schere zwischen arm und reich und lässt seine Leser durch Perspektivwechsel die Obdachlosigkeit mit anderen Augen sehen. Um im Hinblick darauf möglichst nah an der Realität bleiben zu können, hat der Autor Kontakte zur Obdachlosen-Szene in Zürich aufgebaut, wo sich alles abspielt. So fließen sein Wissen und seine persönlichen Eindrücke mit in das Buch ein. Besonders spannend finde ich auch, dass man als Leser viel über das Verhalten von Elefanten lernt und Einblicke in die Genforschung bekommt. Denn Suter hat sich hierüber bei Spezialisten informiert und beraten lassen. 

Eingebaute Rückblenden und Parallelmontagen machen das Buch noch interessanter und spannender zu lesen. Dabei sind Zeit und Ortswechsel sehr leicht nachvollziehbar, was nicht jedem Autor so spielend gelingt wie Suter. Die Handlungsstränge sind stimmig, die Erzählweise anschaulich. Genauso kontrastreich wie die Figuren sind auch die Settings und Atmosphären vom Wanderzirkus über das Gentechnik-Milieu bis hinein in die Obdachlosen-Szene. 

Insgesamt ist Elefant ein typischer Kandidat für „noch ein Kapitel, dann geh ich schlafen“ und plötzlich ist man auf der letzten Seite angelangt. So war es bei mir, ich wollte unbedingt wissen, wie es ausgeht. Es ist spannend und emotional, nebenbei lernt man noch was dazu und wird zum Nachdenken angeregt. „Elefant“ hat alles, was ein perfektes Buch braucht, deshalb: Klare Leseempfehlung! 

„Doch mit der Frage, wie unethisch man zur Verhinderung von etwas Unethischem vorgehen durfte, hatte er sich noch nicht weiter beschäftigt.“ 
  • Gattung: Roman
  • Autor: Martin Suter
  • Verlag: Diogenes Verlag
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Seitenzahl: 352
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