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Ein wenig Leben – Hanya Yanagihara

Ein wenig Leben
Ein wenig Leben

(5/5 Sterne ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️)

Handlung:

Jude hat in seinem Leben mehr Schreckliches erfahren, als man sich vorstellen kann. Dass er als Baby zum Erfrieren von seiner Mutter ausgesetzt wurde, ist nur der Beginn seiner traumatisierenden Geschichte. Sichtbar durch die vielen Narben auf seinem Körper und seiner Seele. All das Erlebte holt ihn immer wieder ein. Auch als erwachsener Mensch und erfolgreicher Anwalt sieht er nicht mehr in sich, als einen Krüppel, der seinen Freunden zur Last fällt. Doch seine Freunde hören nicht damit auf zu versuchen, ihm zu zeigen wie sehr sie ihn lieben, auch wenn er sich selbst nicht lieben kann.

Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara ist ein bewegendes Buch  über Freundschaft, Trauma, Heilung, Hoffnung und Rückschläge.

Figuren: 

Jude, Willem, JB und Malcome lernen sich am College kennen und auch wenn sie sehr verschieden sind, freunden sie sich sofort an. Vier New Yorker, die vor ihrer gemeinsamen College-Zeit kaum unterschiedlicher hätten aufwachsen können: Malcolm und JB kommen aus wohlhabenden und unterstützenden Familien, Willem hingegen hat zu seinen Eltern keinen Kontakt. Und Jude hat gar keine Eltern. 

Jude ist von allen der Rätselhafteste und der, von dem man als Leser*in im Verlauf des Buchs am meisten erfährt. Man erfährt von seiner Kindheit und den all den Ereignissen, die ihn innerlich zerbrochen haben. Und je mehr man erfährt, desto mehr lernt man verstehen, warum es Jude so schwer fällt zu vertrauen. 

Harold ist einer der wenigen Menschen, zu denen er Vertrauen fassen kann, auch wenn er mit ihm nicht über alles spricht. Zu Beginn noch Judes Dozent, wird Harold zu einem Freund und Vater. 

 
Rezension: 

Dieses Buch werde ich so schnell nicht vergessen. 

Es hat mich emotional aufgewühlt und geht mir nun schon seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe mit den Protagonisten mitgelitten, konnte ihren Schmerz fast schon körperlich spüren und das lässt mich nicht mehr los. Mehr als nur einmal sind mir die Tränen in die Augen geschossen. Rückblenden und die Erinnerungen Judes an seine Vergangenheit haben mich immer wieder aufs neue schockiert und fassungslos gemacht. Jedes mal haben sie mich aus dem Nichts mit einer Wucht getroffen, die mich sprachlos zurückgelassen hat. Und das Schlimme ist: ich glaube das spiegelt sehr gut wider, wie es Betroffenen mit traumatischen Flashbacks wirklich ergeht. Der Gedanke daran hat mir das Herz gebrochen. 

Zwischendurch kommen auch immer wieder Kapitel vor, in denen man als Leser*in die Sicht von Judys Freunden auf ihn erfährt und die sind mindestens so bewegend wie die Schilderungen von Judys Empfindungen selbst. Wie schwierig es ist auf der einen Seite mit den traumatischen Gefühlen umzugehen und auf der anderen Seite zu merken, dass derjenige keine Hilfe annehmen kann und nicht darüber reden möchte. Das hat mich zerrissen, weil ich beide Seiten verstehen konnte. 

Yanagiharas Werk hat mich niedergeschmettert und wieder aufgebaut, niedergeschmettert und wieder aufgebaut. Es ist ehrlich, tiefgründig, vielschichtig, poetisch. Aus keinem Buch, jemals, habe ich mir so viele Zitate rausgeschrieben. Das Buch ist so klug wie seine Charaktere, voller Menschenkenntnis und die Figuren erschienen mir so real, dass ich zeitweise vergaß, dass sie fiktiv sind. Mir wurde noch einem mehr vor Augen geführt, wie wenig wir über das Innenleben unserer Mitmenschen wissen und wie vielschichtig unser Leben ist. Welches Grauen manche Manchen erleiden mussten und wie wichtig es ist, verständnisvoll miteinander zu sein und Menschen nicht in Schubladen zu stecken oder zu verurteilen. Inklusive einem selbst. 

"Weißt du,Jude, im wahren Leben widerfahren guten Menschen manchmal schöne Dinge. Keine Sorge, allzu häufig kommt es nicht vor. Aber wenn, dann sollten die guten Menschen einfach >Danke< sagen und weitermachen wie bisher und vielleicht einmal darüber nachdenken, dass derjenige, der ihnen Gutes tut, auch seine Freude daran hat und sie sich nicht dadurch verderben lassen möchte, dass er sich all die Gründe anhört, warum derjenige, dem er etwas Gutes getan hat, glaubt, es nicht verdient zu haben oder es nicht wert zu sein.“
 
Triggerwarnungen           

„Ein wenig Leben“ ist keine leichte Lektüre, sie kann einem den Boden unter den Füßen wegziehen. Deshalb fehlen, wie ich finde, diverse Triggerwarnungen zu Beginn des Buchs: zu Schilderungen von Gewalt, Missbrauch, Selbstverletzung, Suizidgedanken.. Das ist aber auch schon das Einzige, was ich an dem Buch bemängeln kann. 

Wen von euch auch düstere Themen in Büchern nicht zurückschrecken: Bitte lest dieses Buch! Ich kann es euch nur ans Herz legen. 

  • Gattung: Belletristik
  • Autorin: Hanya Yanagihara
  • Verlag: Piper
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • 960 Seiten
* WENN IHR EUCH DAS BUCH BEI THALIA KAUFEN MÖCHTET, KÖNNT IHR DAS GERNE ÜBER DEN BANNER HIER UNTEN TUN. VON THALIA ERHALTE ICH DAFÜR EINEN KLEINEN ANTEIL, FÜR EUCH ENTSTEHEN ABER NATÜRLICH KEINE ZUSÄTZLICHEN KOSTEN. 

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