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Die Wand – Marlen Haushofer

Die Wand - Marlene Haushofer
Die Wand

5/5 Sterne ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Handlung: 

Die Geschichte des Romans ist die der 40 Jährigen Protagonistin, die ihr bizarres Schicksal niedergeschrieben hat. 

Sie fährt mit Verwandten in den Urlaub nach Österreich, wo sie gemeinsam in einer Jagdhütte am Rand der Alpen residieren. Als ihre Cousine mit Ehemann nach einem Abendessen im Dorf bis zum nächsten Morgen nicht zurückkehren, macht sie sich mit dem zurückgebliebenen Jagdhund „Luchs“ auf den Weg ins Dorf. Unterwegs stößt sie plötzlich gegen eine massive, durchsichtige Wand. Sie ist eingeschlossen auf eine mehrere Quadratkilometer große Fläche, aber augenscheinlich weit und breit der einzige noch lebende Mensch. Nur auf ihrer Seite der Wand ist überhaupt noch Leben, die Insekten summen, die Vögel zwitschern. Auf der anderen Seite kann sie in einiger Entfernung einen Bauern mit seinem Hund sehen: versteinert, mitten in der Bewegung erstarrt. In den ersten Tagen steht sie unter Schock, ist kaum fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Doch nachdem die erste Verzweiflung überwunden ist, beginnt sie das Überleben zu sichern. Für sich, für ihren Hund und später auch für eine trächtige Katze und eine Kuh, die ihr einen Sinn im Leben zurückgeben. 

Die Figuren:

Mit der Protagonistin, deren Namen man als Leser nicht erfährt, konnte ich mich teils sehr gut identifizieren. In ihrer tierlieben und an manchen Stellen etwas ängstlichen Art konnte ich mich wiederfinden. Sie sorgt sich sehr um Hund, Katze und Kuh, sogar in ihren Träumen. Und obwohl sie keine Menschen um sich hat, scheint sie sich verblüffend selten einsam zu fühlen. Um sich von aufkommenden Gedanken an ihr vergangenes Leben oder von der Verzweiflung über ihre Lage abzulenken, stürzt sie sich häufig in die Arbeit, ob Holz hacken, Feldarbeiten oder Tierpflege – sie findet immer etwas. Trotzdem bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich mehr mit sich selbst zu beschäftigen und sich gezwungenermaßen auch mit dem Thema Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. Auch die veränderte Welt um sich herum nimmt sie plötzlich ganz anders wahr als früher, denn sie beschäftigt sich intensiver mit ihr. Das führt wiederum dazu, dass auch sie sich verändert, dass ihre Denkweise sich verändert. Diesen Prozess mitzuerleben fand ich während des Lesens sehr faszinieren und spannend. 

Rezension: 

Wenn ich „Die Wand“ in wenigen Worten zusammenfassen müsste, wären es folgende: kluge Reflexionen, zeitlos und intelligent. Viel Metaphorisches und Philosophisches lässt sich in den Roman hineininterpretieren, man kann aber die Atmosphäre des Buchs auch einfach nur auf sich wirken lassen. Der sehr lebhafte und anschauliche Schreibstil hat mir oft Lust darauf gemacht, mehr Zeit in der Natur zu verbringen: unter klarem Sternenhimmel zu sitzen, die Jahreszeiten zu erleben.. 

Was aber nehme ich noch aus dem Buch mit?: Dass man die Dinge im Leben nehmen muss, wie sie kommen. Man kann nicht alles kontrollieren. Mir wurde noch einmal mehr bewusst, dass Zukunftsängste nicht viel bringen. Dass sich manches verändert und man, in dem Moment da dies passiert, damit zurechtkommen muss. 

„Erst wenn das Wissen um eine Sache sich langsam im ganzen Körper ausbreitet, weiß man wirklich.“ 

Und die Botschaft, dass es wichtig ist, sich Freiräume für sich selbst zu schaffen, das nehme ich mit. Denn: Das Buch lädt dazu ein, sich in die Situation der Romanfigur hineinversetzen und sich fragen, wie man selbst in dieser Situation reagieren würde. Auf diese Weise lernt man sich selber auch ein Stück weit näher kennen und auch die eigene Einstellung gegenüber seinen Mitmenschen. Auf nachdrückliche und beeindruckende Weise dreht sich der Roman um die Ambivalenz der menschlichen Sozialisierung, denn die Autorin vermittelt zwischen den Zeilen, dass die Menschen sich das Leben gegenseitig schwerer machen, als es sein müsste. 

Was findet ihr?

Hat sie Recht? Wie würdet ihr in der Lage der Protagonistin reagieren? Liebt ihr es unter Menschen zu sein und würdet vereinsamen? Oder denkt ihr es kann auch seine Vorzüge haben, nur unter Tieren zu leben? 

  • Gattung: Gegenwartsliteratur
  • Autorin: Marlene Haushofer
  • Verlag:List
  • Erscheinungsjahr: 2014
  • 288 Seiten
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