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Die Geschichte der Bienen – Maja Lunde

Die Geschichte der Bienen
Die Geschichte der Bienen

4/5 Sterne ⭐️⭐️⭐️⭐️

Handlung:

„Die Geschichte der Bienen“ besteht aus drei verwobenen Handlungsstränge, die sich zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten auf der Welt abspielen. Und doch hängen sie alle miteinander zusammen. 

Die frühste Geschichte spielt sich in England im Jahre 1852 ab. William ist Biologe und Samenhändler, der seine Leidenschaft für die Forschung verloren zu glauben scheint. Er geht kaum noch vor die Tür, verlässt selten sein Bett und auch sein Mentor Rahm unterstützt ihn nicht länger. Bis William die Idee zur Entwicklung eines völlig neuen Bienenstocks hat, mit der er in die Geschichtsbücher eingehen will. 

155 Jahre später kämpft der Imker George in Ohio, USA um das Überleben seines Hofes. Er träumt davon, eines Tages expandieren zu können und seinem Sohn den Hof zu vererben. Doch sein Sohn Tom schwärmt vom Journalismus statt von den Bienen. Bis sich aus dem Nichts das große Bienen-Sterben überall im ganzen Land ausbreitet. 

Weiter in der Zukunft, im Jahr 2098 in China bestäubt Tao zusammen mit vielen weiteren Arbeiterinnen die Bäume von Hand. Bienen gibt es keine mehr, Lebensmittelknappheit, Armut und der Verfall der Städte  beherrschen das Leben der Menschen. Für ihren kleinen Sohn Wei-Wen wünscht sich Tao eine bessere Zukunft. Doch nach einem mysteriösen Unfall kommt alles anders als geplant. 

Figuren:

William war mir von allen Hauptfiguren am unsympathischsten. Er ist seinen sechs Kindern kein guter Vater, schlägt sie und kümmert sich nicht um sie. Auch seiner Frau gegenüber verhält er sich lieblos. Alles was ihn interessiert, ist die Meinung seines Mentors Rahm, dessen Gunst er sich mehr als alles andere wünscht. Bei seinen Forschungen geht es ihm nicht um die Bienen, er möchte mit großen Entdeckungen Geschichte schreiben und sich selbst profilieren. Seinen Mitmenschen begegnet er mit geringschätziger Verachtung. 

George interessiert sich zwar auch mehr für seine eigenen Wünsche als für die seiner Frau und seines Sohnes, aber bei seiner Arbeit liegt ihm das Wohl seiner Bienen wirklich am Herzen. Sein hartnäckiger Ehrgeiz, den er an den Tag legt, um seinen Imkerbetrieb aufrecht zu erhalten, ist fast schon bewundernswert. Er verfolgt seine Träume, auch wenn er zur Erreichung oftmals an wenig sinnvollen Traditionen festhält. 

Tao ist die Einzige der drei Hauptfiguren, die mir sympathisch war, wenn ich auch nicht alle ihre Entscheidungen nachvollziehen konnte. Aber sie liebt ihren Sohn, würde alles für ihn geben und beweist dabei großen Mut. Ihre Geschichte hat mich am meisten bewegt. 

Rezension: 

Taos Geschichte ist mit Abstand die berührenste und spannendste der drei. An mancher Stelle hätte ich am liebsten die Kapitel zu den anderen beiden schnell überlesen um zu erfahren, wie es bei Tao in der Zukunft weitergeht. 

Die Trostlosigkeit und die Hoffnungslosigkeit der Zukunftsvision ohne Bienen haben mich nachdenklich gestimmt. Sie machen deutlich, dass sich dringend etwas verändern muss. Bienen sind nicht nur Lieferanten von Honig, sie sind für uns Menschen lebenswichtig. Wir müssen sie schützen, anstatt sie auszubeuten; ihr Überleben sichern, um unsere eigene Existenz aufrecht zu erhalten. Das macht Maja Lunde auf eindringliche Weise deutlich, ohne dabei aufdringlich oder belehrend zu sein. Die Autorin skizziert eine erschreckende Zukunft, die jeden wachrütteln dürfte. Alle drei Geschichten verdeutlichen auf ihre Art und Weise, wie sich unser Umgang mit den Bienen auf unser zukünftiges Leben auswirkt. Sie spannt einen  Bogen zwischen unterhaltsamer Familiengeschichte und realem Wissen und formt aus beidem ein Warnschild im Hinblick auf unseren Umgang mit der Natur. 

„Ich blieb sitzen und betrachtete die Bienen, ihre Ausdauer, ihr ewiges Hin und Her, sie befanden sich niemals im Stillstand. Nicht, ehe ihre Flügel rissen.“ 

Lundes Schreibstil

Das Buch liest sich sehr flüssig, der Schreibstil der Autorin ist besonders bildhaft. Wo es an Bildhaftigkeit nicht mangelt, so fehlte mir doch eine gewisse Emotionalität in den Zeilen des Romans. Teils werden Kapitelabschnitte trocken bis teilnahmslos beschrieben, obwohl der Inhalt deutlich mehr Potenzial für ergreifende Worte geboten hätte. 

Auch empfand ich gewisse Kapitel als etwas in die Länge gezogen, insbesondere bei Georges Geschichte. Dennoch sind die drei Perspektiven aus den drei verschiedenen Zeiten interessant zu beobachten. Sie sind realitätsnah und bilden nicht nur die Geschichte der Bienen ab, sondern spiegeln auch die Entwicklung der Menschheit wider. 

Die Idee hinter dem Buch ist grandios, die Umsetzung hätte man ein wenig besser gestalten können. Wer ein mitreißendes Unterhaltungsbuch sucht, für den ist „Die Geschichte der Bienen“ wahrscheinlich eher nichts. Insgesamt handelt es sich aber um einen lesenswerten Roman zu einem sehr wichtigen Thema, weshalb ich eine Leseempfehlung aussprechen und 4 von 5 Sternen an das Buch vergeben möchte. 

„Die Geschichte der Bienen“ lag wochenlang auf Platz 1 der Bestseller-Charts und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Gemeinsam mit „Die Geschichte des Wassers“ und „Die Letzten ihrer Art“ bildet der Roman das Klimaquartett der norwegischen Schriftstellerin. Beide Bücher möchte ich auf jeden Fall nicht ungelesen lassen. 

  • Gattung: Gegenwartsliteratur
  • Autorin: Maja Lunde
  • Verlag: btw Verlag
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • 528 Seiten
 
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