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Der Wal und das Ende der Welt

(4/5 ⭐ ⭐ ⭐ ⭐)

Handlung:

Als der Großstädter und Londoner Investmentbanker Joe Haak halb nackt strandet und kurz darauf ein Wal an die Küste des dreihundertsieben-Seelen-Dörfchens St. Piran angespült wird, sind die Fischerdorf-Bewohner in heller Aufregung. Merkwürdig kommt ihnen der Neue vor und mit seiner Ankunft ist nichts mehr, wie es mal war. Sein zu Karrierezeiten selbstprogrammiertes Computersystem Cassie analysiert Zusammenhänge globaler Ereignisse und sagt eine nahe bevorstehende Menschheitskatastrophe voraus.  Bald schon verändert sich schlagartig alles im Land und auf der ganzen Welt. Ölkrise, Grippepandemie und Kollaps der Wirtschaft. Alles ist miteinander verknüpft. 

In “Der Wal und das Ende der Welt” geht es um Vergänglichkeit, Heimatgefühl in einer vernetzten Welt und menschliche Moral. 

Der Wal und das Ende der Welt
Rezension:

Auf beeindruckend erzählerische Weise wird untermauert, wie die Menschen ihre Lebensstil in Wohlstand für selbstverständlich halten und sich niemand über die Tatsache Gedanken macht, dass die Gesellschaft auf endlichem Öl und dessen Verbrennung basiert.

Clever und mit viel Weitsicht hinterfragt der Autor die Natur des Menschen: Wie reagieren wir im Falle einer existenziellen Krise? Sozial oder egoistisch? Was ist wirklich wichtig im Leben? Reichtümer oder ein Miteinander? Das macht dieses Buch so tiefgründig und auch im Nachhinein beschäftigt es mich zwischendurch immer wieder.

An sich ist das Gedankenexperiment super interessant, einen Stern Abzug gibt es allerdings von mir, weil sich die Story zwischenzeitlich etwas in die Länge zog. Einerseits konnte ich die Komik und Absonderlichkeit des kleinen Dörfchen durch die anschaulichen Ortsbeschreibungen regelrecht nachempfinden und hatte konkrete Bilder dazu im Kopf, andererseits hat es zwischenzeitlich etwas den Drive aus der Geschichte genommen und sie etwas langatmig gemacht. Langatmig, aber dennoch nicht langweilig. Gekonnte Zwischenschübe und Metaphern lassen den Leser von Zeit zu Zeit einen Schritt zurücktreten und Verbindungen zur realen und eignen Welt herstellen, wie beispielsweise an dieser Stelle: “Der Großteil des Lebens”, sagte Jeremy dann, “ist wie die Fahrt auf einer Autobahn. Wir haben keine andere Wahl als immer geradeaus zu fahren. Kontrollieren können wir nur die Reisegeschwindigkeit. Aber ab und zu kommen wir an einer Ausfahrt vorbei. Wir haben nur einen Augenblick, um uns zu entscheiden. Wir können auf der Autobahn bleiben, und es ändert sich nichts. Aber fahren wir an, kommen wir in eine uns unbekannte Stadt.” 

Die Figuren: 

Jeremy ist einer von vielen nebenbei vorgestellten Figuren. Nur die wichtigsten Personen, was aber auch nicht grade wenige sind, werden genauer und mit viel Liebe und Humor vorgestellt. Darunter der Hauptcharakter Joe Haak, die Frau der Pastorin, in die er sich verliebt und den Pastor selber. Für all diejenigen, für die die Anzahl an Personen verwirrend sein könnte, findet sich auf den letzten Seiten eine Übersicht mit allen vorkommenden Personen. Trotzdem hatte die teils irritierenden Personenzahl auch ihr Positives: Sie hat dafür gesorgt, dass der Leser mehr ins Dorfgeschehen integriert wird. 

Wenn ihr den Glauben an das Gute im Menschen verloren habt, wird ihn euch „Der Wal und das Ende der Welt” garantiert wiedergeben. Das Thema ist durch Corona aktueller denn je und falls ihr noch nicht die Nase voll von der Pandemie-Thematik habt, empfehle ich euch dieses Buch durchaus weiter. 

„Eine Nation wird alles tun – alles – um sich selbst zu schützen. Das Einzige, was noch mächtiger ist als der Egoismus des Einzelnen ist der nationale Egoismus.“

  • Gattung: Roman
  • Autor: John Ironmonger
  • Verlag: S. FISCHER Verlag
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Seitenzahl: 480
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